Bildung für alle ?

„Es gilt, dem Weibe eine der Geistesbildung des Mannes ebenbürtige Bildung zu ermöglichen, damit der Mann nicht durch die geistige Kurzsichtigkeit seiner Frau an dem häuslichen Herde gelangweilt wird [...].“
„Was geht denn hier ab!“ wird manche jetzt sagen, aber dieses Sicht galt zum Teil noch bis ins 20. Jahrhundert hinein und steht in einer amtlichen Verlautbarung von 1872. Manche mag die Schule von Zeit zu Zeit ziemlich annerven. Aber bis Ende des 19. Jahrhundert war Schulbildung ein Privileg, das nur wenigen zustand. Erst im 18. Jahrhundert wurde eine allgemeine Schulpflicht eingeführt. In sogenannten Volksschulen sollten Kinder vom fünften bis zwölften Lebensjahr lesen, schreiben und rechnen lernen. Daneben standen sechs Stunden Religion sowie drei Stunden Gesang und Kirchenlieder auf dem Stundenplan.

Aufs Gymnasium, das später geschaffen wurde, durften lange Zeit ausschließlich Jungen. Studieren konnten deshalb auch nur junge Männer. Für die Töchter aus wohlhabenden Familien gab es „Höhere Töchter- oder Mädchenschulen“, deren Ausbildungsziel vor allem darin bestand, Mädchen bis zum 15./16. Lebensjahr auf ihre späteren häuslichen Pflichten als Gattin und Mutter vorzubereiten.
Die einzige Möglichkeit einer weiterführenden und berufsqualifizierenden Schulbildung für junge Frauen war lange Zeit nur der Besuch eines „Lehrerinnenseminars“, das Frauen zu Lehrkräften ausbildete.

Zum Glück gab’s streitbare Frauen, die im Zuge der Frauenbewegung Ende des 19. Jahrhunderts für die Bildung von Frauen auf die Straße gingen. Es entstanden „Frauenbildungsvereine“, die endlich weitere Ausbildungsmöglichkeiten für Mädchen schufen.
Die angebotenen Gymnasialkurse hatten allerdings private Träger und standen somit nur Töchtern aus wohlhabenden Familien offen. Gelehrt wurde den Mädchen in erster Linie Handarbeit, Hauswirtschaft und Religion. Mathematik, Naturwissenschaften und Latein wurden nur am Rande unterrichtet. Schließlich sollten die zarten Mädchen nicht überfordert werden und nicht von ihrer späteren Aufgaben als Hausfrau und Mutter ablenken.
Aber die ersten Schritte hin zur Gleichbehandlung in Punkto Ausbildung waren gemacht. So konnten auch Frauen ein Studium aufnehmen, was sich jedoch erst nach dem Ersten Weltkrieg deutschlandweit durchsetzte.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand die Gymnasialbildung der Mädchen und Jungen noch getrennt statt. Zwischen 1950 und 1980 setzte sich dann allmählich das Prinzip der Koedukation durch. Das heißt, Mädchen und Jungen wurden gemeinsam unterrichtet.

Heute sind Mädchengymnasien neben gemischten Schulen immer noch eine weitere Möglichkeit der schulischen Ausbildung. Manche Eltern schicken ihre Töchter lieber aufs Mädchengymnasium, weil Frauen tatsächlich anders lernen. So haben Wissenschaftler bewiesen, dass Frauen eher ganzheitliche Lernansätze und eine kooperative Arbeitsweise bevorzugen. Das heißt, die Dinge in einem Zusammenhang zu betrachten und weniger Ellbogen einzusetzen. Also eindeutig moderne Formen des Unterrichtens.

Doch wie sieht die Bildungssituation von Mädchen weltweit aus? Laut der neuesten Studie des Kinderhilfswerks Unicef , durchgeführt in 180 Ländern, gehen 65 Millionen Mädchen nicht zur Schule. Sie müssen zuhause beim Kochen, Putzen und Geschwister hüten helfen, werden als Dienstmädchen in fremde Familien geschickt oder früh verheiratet, manchmal schon mit 10 - 12 Jahren. Viele Kinder in armen Ländern müssen, um das Überleben der Familie zu sichern, Geld auf der Straße verdienen. Viele betteln oder werden zur Prostitution gezwungen.

Häufig werden Mädchen aber nicht in die Schule geschickt, einfach, weil sie Mädchen sind. In einer Gesellschaft, in der Mädchen weniger wert sind als Jungen, gelten Grundrechte, wie ausreichend Nahrung, ärztliche Versorgung und Bildung nicht für Mädchen und Jungen gleichermaßen.
Und wer nicht lesen und schreiben kann, hat geringe Chancen, seinem Elend und der Abhängigkeit von der Familie, zu entfliehen. Deshalb sind Bildung und Aufklärung die wichtigsten Voraussetzungen, um die Benachteiligung von Mädchen und Frauen zu überwinden.