Wenn aus Freundschaft Liebe wird

Wenn aus Freundschaft Liebe wird. Es ist kein gutes Omen, wenn man auf seinen besten Freund steht, das weiß ich. Was ich auch weiß, ist, dass es noch ein schlechteres Omen ist, wenn ich mich versuche mit einem anderen Kerl abzulenken und dem Typen Hoffnungen mache. Nur das Problem ist, dass ich sonst keine andere Lösung wüsste. Deshalb bin ich heute mit Lukas verabredet. Lukas ist sechzehn, hat dunkelblondes Haar und strahlend blaue Augen - kurzum: er sieht wirklich hübsch aus. Warum also kribbelt es nicht in mir, wenn ich an ihn denke, sondern stattdessen wenn ich an Paco - meinen besten Freund - denke? Das ist weder gut für unsere Freundschaft, noch für mein Date mit Lukas. Denn heute ist es soweit: ich werde meinen ersten Kuss bekommen! Es ist mir schon peinlich genug, dass ich im Gegensatz zu meinen Freundinnen ungeküsst bin, deshalb übe ich gerade Küssen an einer halben Orange. Schließlich muss Lukas nicht wissen, dass er der erste Junge sein wird, den ich küsse. Das wäre ja noch schöner! Ich fühle mich etwas dumm mit meiner, in der Hälfte getrennten, Orange, aber ich habe in einem YouTube Video gesehen, dass man tatsächlich so Küssen lernen kann. Also versuche ich mein Glück. Im nächsten Moment, als ich meine Lippen an die Orange presse, steht plötzlich Paco neben mir in der Küche. Er grinst zuerst, seine Augen strahlen, dann prustet er los. Nach weiteren fünf Minuten in denen er ununterbrochen lacht und sich an der Wand festhalten muss, weil er sonst umfallen würde, kommt er irgendwann doch zur Ruhe. Mein Scham hat sich in kochende Wut verwandelt. Wut darüber, dass wir nie die Gartentür abschließen und Paco jederzeit reinkommen kann. Aber das war schon immer so, weil wir befreundet sind seit wir in den Windeln lagen und nebeneinander wohnen, kann jeder von uns jederzeit in das Haus des Anderen. Ich schaue Paco wütend an. Direkt in seine unglaublichen Augen. Eins ist mitternachtsblau und das andere moosgrün. Ja, er hat zwei verschiedene Augenfarben, auch wenn das wahrscheinlich ein Gendefekt ist, ich und alle anderen Mädchen finden das so besonders an ihm. Er strahlt und räuspert sich, als er sich durch die dunkelbraunen Haare geht:,,Was tust du da, chica?" Er nennt mich immer chica, was so viel bedeutet wie Mädchen, um mich zu ärgern und es geht mir wirklich auf die Nerven. Andere Mädchen lieben es, wenn er sie so nennt, weil sie dieses spanische an ihm lieben - Paco ist halb Spanier und zeigt das offen, wofür ich ihn manchmal bewundere und manchmal hasse. ,,Ich übe küssen! .. sieht man das denn nicht?!", frage ich etwas gereizt und verstecke die Orange hinter meinem Rücken. Die hat mir schon genügend Ärger eingehandelt. Paco prustet wieder los und ich weiß nicht, was so verdammt lustig daran ist. Ok, vielleicht weiß ich es schon, aber das gerade finde ich gar nicht lustig, vorallem weil ich diejenige bin, die er auslacht. ,,Wieso.. so?", fragt Paco und beißt sich auf die Unterlippe um nicht nochmal laut los zu lachen. ,,Stand im Internet!", erkläre ich. Es ist mir unglaublich peinlich, dass er mich dabei erwischt hat. Nicht, dass ich glaube, dass Paco das weiter erzählt - nein, das tut er nie im Leben - nur ich bin heimlich in ihn verliebt, seit wann weiß ich nicht genau. Auch wenn er mein bester Freund ist, ist er gleichzeitig mein Schwarm. Ich weiß auch, dass Paco nie in mich verknallt wäre, dazu hat er zu viele weibliche Verehrerinnen die hübscher sind als ich. Außerdem sieht er in mir nur sowas wie eine kleine Schwester. ,,Mensch, Helen! Glaubst du eigentlich alles was im Internet steht?", fragt er spöttisch. Jetzt laufe ich knallrot an, lasse mir meine Unsicherheit aber nicht anmerken:,,Alles was logisch und nachvollziehbar klingt schon." Plötzlich packt Paco mich an den Schultern, wirbelt mich so heftig herum, dass mir die Orange aus der Hand fällt und drückt mich dann gegen die Wand. Er stemmt seine Hände rechts und links von mir an der Wand ab, sodass ich mich nicht aus der Klemme winden kann. Ich sehe ihn unsicher und verwirrt an, aber Pacos Augen leuchten mich an. Ich schaue zuerst in moosgrün und dann in mitternachtsblau. Er sagt sanft:,,Üb an mir! Los!" Nehmen mir würde in diesem Moment selbst eine Tomate blass aussehen. Ich stottere:,,An dir?" Paco grinst und zeigt auf die Orange, die auf dem Boden liegt:,,Ich will wissen, ob der Mist dir geholfen hat." ,,Das geht nicht!", widerspreche ich ihm immernoch. Auch wenn ich ihn noch so gerne küssen würde - es geht einfach nicht! Ich kann es nicht tun! ,,Wieso nicht? Natürlich geht es!", fragt er verwirrt. ,,A.. aber..", stottere ich mit einem heißen Kopf, der wahrscheinlich glüht wie Kohle. ,,Was aber?" Paco lässt nicht locker! Oh mein Gott, steht mir bei oh Herr! ,,Wir sind Freunde, das geht nicht!", erkläre ich ganz moralisch. ,,Prinzessin, wir machen doch nichts Schlimmes, ist bloß ein harmloser Kuss.", lächelt er liebevoll. Ich versinke in seinen Augen, kneife meine zusammen und sage meinem besten Freund endlich, was ich schon immer sagen wollte und wovor ich so lange schon Angst hatte:,,Paco, ich.. ich.. li-liebe.. dich. Ich liebe dich, Paco!" Endlich ist es raus! Ich fühle mich erleichtert und öffne zögernd die Augen. Zuerst denke ich Paco starrt mich schockiert an oder noch schlimmer: er rennt weg! Aber nichts davon stimmt. Er lächelt mich an und seine Augen strahlen und leuchten mehr als sie es je zuvor getan haben. Plötzlich schließt er die Augen, die Arme legt er um mich und zieht mich an sich ran. Ich sehe noch wie er sich nach unten zu mir beugt und schließe die Augen, als er mich küsst. Ich brauche keine Antwort auf meine Frage, denn sein Lächeln und sein Kuss reichen mir schon um zu wissen, dass er mich auch liebt. Ich brauche keinen Lukas oder irgendeinen anderen Jungen um glücklich zu sein, ich brauche nur Paco. Meinen besten Freund - meinen festen Freund!

von Lara

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